wiederkehrend

Besetzung: Klavier solo

Einführung

Die Komposition geht von vier verschiedenen klanglichen Erscheinungsformen aus: der melodischen Linie, dem Akkord, dem einzelnen Ton und einem Typ Akkord, dessen natürliche Auskling-Zeit kurz unterbrochen wird. Diese vier Elemente organisieren den ersten Teil der Komposition. So bestreitet - nach einer kurzen Einleitung - eine Folge von Akkorden die erste halbe Minute. Dem schließt sich eine melodische Linie an, gefolgt von einer Gruppe von "Auskling"-Akkorden. Der einzelne Ton spielt eine Sonderrolle, weil er bereits in den anderen drei Elementen enthalten ist. Deswegen treten zunächst nur jene in wechselnder Folge auf.

Sehr bald zeigt sich das Bestreben der drei Elemente, sich einander anzunähern: Über eine neue Gestalt, den Triller, der in jeder der drei Elementgruppen vorkommen kann , verringern sich deren Unterschiede. Die anfangs voneinander getrennten Erscheinungsformen beginnen ineinander zu fließen. Diesen Vorgang unterbricht das vierte Element, das als ein einziger Ton - a - oktaviert und in verschiedenen Rhythmen erscheint.

Darauf folgt der zweite Teil der Komposition: Während die Elementgruppen immer näher zusammenrücken, verringert sich der Ton- und Rhythmenvorrat, in dem sie sich ausdrücken. Das führt zu Wiederholungen, die ihrerseits den kontinuierlichen Fluß strukturieren - so wie den Anfang die voneinander abgehobenen Elementgruppen gliederten. Damit zeigt sich die fragmentarisch "doppelte" Formbewegung, das Anliegen der Komposition: Das gleiche Verfahren, das voneinander getrennte Strukturen verbindet und aufhebt, bewirkt durch "Wiederkehrendes" gerade das Gegenteil: eine neue Gliederung des kontinuierlichen Flusses.


(Fu, Die Wiederkehr, ist das 24. Hexagramm des I Ging.)

Copyright 2004 Lydia Weißgerber
Letzte Aktualisierung: 28.02.2005