Sich einlassen

für Klaviertrio und Publikum

Einführung

Sich einzulassen galt es für mich vor allem auf ein kompositorisches Problem, das unversehens von der "Material"-Ebene auf eine grundsätzlichere formale umschlug:
Der G-Dur-Dreiklang, ursprünglich als ein den Satz gliedernder Sonderakkord gedacht, sperrte sich dagegen, bloß eine Tonkonstellation unter anderen zu sein. Ihn zu verwenden, zog überraschend für mich auch eine andere Form des Musizierens nach sich, die im 2. Teil der Komposition zum Tragen kommt. Die Musik ist dabei weniger Gegenstand der Meditation als Stütze menschlicher Exponiertheit. Sie verliert ihre Dignität als Struktur und gewinnt an kommunikativer Direktheit.(Diesen Umschlag spiegelt das eingefügte "Spiritual".)
Dabei müssen sich nicht zuletzt die Musiker auf etwas einlassen: auf die ungeschützte Äußerung der menschlichen Stimme, die nicht gedeckt ist durch ihre instrumentale Professionalität. Die elektroakustische Verstärkung erzeugt einen künstlich erweiterten Raum.
Im dritten und letzten Teil der Komposition wird dieser künstliche Raum abgelöst durch den realen Raum. Die Musik greift ins Publikum über. Indem dieses am Verlauf der Musik mitwirkt, hebt es den Gegensatz von Struktur und Kommunikation ansatzweise auf.



Copyright 2013 Lydia Weißgerber
Letzte Aktualisierung: 18.02.2014